Inmitten von Feldern liegt – als Teil des Bad Radkersburger katholischen Friedhofs am Goritzer Weg – der 1929 neu gestaltete „Heldenfriedhof“ für Gefallene des Ersten Weltkriegs und des „Freiheitskampfes“ 1919.


Die Anlage besteht aus zwei seitlich angeordneten hellen Tafeln mit Stahlhelm und Stadtwappen sowie der Beschriftung „Die Stadt Radkersburg ihren in den Freiheitskämpfen gefallenen Helden“. Darauf wird neun Kämpfern gedacht.


Auf zwei weiteren Tafeln stehen die Namen von 169 und 168 Gefallenen des Ersten Weltkriegs, deren Gräber sich dort befinden.


Im Unterschied zur Heroisierung „ihrer Helden“ enthalten die Tafeln, auf welchen sehr viele dieser Opfer slowenische oder italienische Familiennamen tragen, selbst keine Beschriftung. Der Kontext ergibt sich erst durch die Beschriftung des im Zentrum stehenden rund vier Meter hohen Monuments: „Unseren im Weltkriege 1914-1918 u. Freiheitskampf 1919 gefallenen Kameraden Radkersburg und Umgebung. In Treue Frontkämpfer Vereinigung.“ Von dieser „Frontkämpfervereinigung Deutschösterreichs“ stammte auch die Initiative für die Schaffung dieses Heldenfriedhofs.[1]
Was nun diesen tatsächlich sehr monumentalen Adler betrifft, der von Marta Peter-Reininghaus entworfen und vom Bildhauer Franz Eisner ausgeführt wurde[2], so gibt es zu dessen Bedeutung mehrere Interpretationen. Meint man auf der Website der Stadt Bad Radkersburg, dass dieser „symbolisch die Opfer des Krieges“ beschirmen würde[3], so liest sich die zeitgenössische Deutung doch um einiges deutschnationaler: „Der mächtige Adler des Frontkämpferdenkmals ruht auf einer Pyramide, seine Schwingen sind gefaltet, ein Dornenkranz umschließt eine feste Soldatenfaust. Der Adler verweist symbolisch darauf, dass der Tag kommen wird, an welchem der Aar seine Schwingen zum Höhenflüge ausbreitet und der Dornenkranz des deutschen Leides fallen wird.“[4]


Der Heldenfriedhof wurde am 3. November 1929 eingeweiht und danach bewegte sich der Zug der Teilnehmer:innen zum Hauptplatz der Stadt, wo die Tafeln am alten Rathausturm der Öffentlichkeit übergeben wurden.
Über die Einweihungszeremonie der Denkmäler am Friedhof wird berichtet: „Nach der Feldmesse im katholischen Friedhofe (Bischof Dr. Pawlikowski) folgte der Weiheakt, der durch den Vortrag der ‚Deutschen Messe‘ von Schubert (…) Fürstbischof Dr. Pawlikowski pries in einer schöngeformten Ansprache die Bedeutung des Denkmales und betonte, dass den Helden des großen Volksringens ihr Heldenmut, mit dem sie sich der Verteidigung der Heimat opferten, niemals vergolten werden könnte. Er sprach über die Liebe zum Volke und zur Heimat, wovon der altösterreichische Soldat durchglüht war, und dessen Idealismus uns stets ein Beispiel sein soll. (…) Nicht mit Kriegerwaffen, sondern mit geistigen Waffen wollen wir ein glücklicheres Österreich erstreben. Oberst Hiltl sprach über die Geschichte des Frontkämpferdenkmales und dankte den Kameraden, die es ermöglichten, das Werk zu erbauen. Er bat den Bürgermeister, dieses Denkmal in die Obhut der Stadt zu nehmen. Bürgermeister Kaufmann versicherte, dass den jungen Helden für immerwährende Zeiten die Ruhestätten gesichert bleiben zum Danke für ihre großen Opfer und zum Tröste der Hinterbliebenen. Nicht nur Radkersburg gedenkt heute dieser Helden, auch das Land Steiermark bekundet durch die Anwesenheit des Landeshauptmannes seine Teilnahme.“[5]
Danach wurden von zahlreichen Organisationen Kränze niedergelegt, etwa „vom Deutschen Frauenbund, dem christlich-deutschen Turnerbund, der nationalsozialistischen Vereinigung Steiermarks, den Frontkämpfervereinigungen, der Bezirkshauptmannschaft Radkersburg, dem Bundesheer, den Heimatschutzverbänden, den Kameradschaftsverbänden, dem Steirischen Kriegsopferverband, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, der Deutschen Soldaten-Gewerkschaft, den Freischärlern, dem Bauernkommando, dem Alpenländischen Kriegsteilnehmerverband usw. Die Böller krachten, die Fahnen senkten sich und die wehmütigen Klänge des ‚Guten Kameraden‘ tönten als Grüße an die gefallenen Helden. (…) Es herrschte eine weihevolle Stimmung, und nicht nur Frauen, sondern auch wetterharte Krieger hatten Tränen in den Augen. (…)“[6]
Zum Schluss unserer ersten Tour geht es ins benachbarte Laafeld zum Pavelhaus / Pavlova hiša, wo wir noch einmal mit David Kranzelbinder zusammentreffen, der uns durch die dort zu sehenden Ausstellungen führt, die thematisch sehr gut zu unserer Arbeit passen.


Im Freien sind auf biografischen Tafeln anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges im Rahmen der Ausstellung „Pot Domov / Der Weg nach Hause“[7] (beruhend auf der Arbeit des Museums für Zeitgeschichte in Ljubljana, kuratiert von Monika Kokalj Kočevar und Marko Štepec) die persönlichen Erfahrungen von mehr als 20 Personen nachzulesen, die aus verschiedenen Kriegen des 20. Jahrhunderts, aber auch aus Gefangenen-, Konzentrations-, Flüchtlings- und Exillagern in ganz Europa nach Hause zurückkehrten.
Weiters zu sehen ist die Ausstellung „im Void“[8], die sich unter anderem auch mit historisch belasteten Orten befasst. Als einer dieser Orte ist im Hintergrund der Installation von Kerstin Brenner „I was there and I did nothing“ eine Fotoarbeit von Matjaž Wenzel sichtbar, aus dem 2024 entstandenen Zyklus „Men Face Down“.
David Kranzelbinder: „Matjaž Wenzel aus Slowenien hat ein Fotoprojekt gemacht, wo er Freunde oder Männer aus einer gewissen Generation gebeten hat, sich auf den Boden zu legen, face down, an einem gewissen Ort. Ich habe das hier in Bad Radkersburg vor den Tafeln beim Rathausturm gemacht und wir haben das jetzt als Installation im Pavelhaus als Wand, die diese Öffentlichkeit widerspiegelt. Die Frage ist jetzt nicht, irgendwen konkret anzuklagen, sondern sich zu fragen, wie wir als Gesellschaft darauf reagieren. Und ob wir das Denkmal beeinflussen oder ob das Denkmal uns als Gesellschaft beeinflusst und was wir hier machen können. Das ist eine Frage, die wir uns alle stellen müssen. Die Arbet ist kombiniert mit einem Kunstwerk von Kerstin Brenner, die in einen Waldbrand gekommen ist und gemerkt hat, dass sie überhaupt nichts machen kann. Sie hat dann den Satz ‚I was there and did nothing‘ auf Leuchtkästen geschrieben und die sind davor installiert. Genauso verhalten wir uns ja auch oft so. Wir gehen vorbei und wir tun nichts.“

Ebenfalls Teil der Ausstellung ist die im Freien aufgestellte Skulptur „Die Pantherin erhebt sich“ (umgesetzt von Paul Lässer), entstanden nach der Idee einer Gruppe von Künstler:innen, unter ihnen auch Maryam Mohammadi. Sie wurde im Rahmen der Proteste von #kulturlandrettenund #soziallandretten kurzzeitig am Grazer Freiheitsplatz aufgestellt, um nun hier im Pavelhaus / Pavlova hiša ein sichtbares Symbol für die Wichtigkeit Solidarität und Widerstand zu stehen.

Besonders freut uns auch, dass wir mit den Ergebnissen dieses Tages auch Teil der kommenden Ausstellung im Pavelhaus / Pavlova hiša sein werden!
Wir machen uns auf den Rückweg. Inzwischen ist die Sonne, die für kurze Zeit zu sehen war, sehr rasch durch dunkelgraue Regenwolken verdrängt worden. Es regnet und die verlassenen Bänke und Getränkestandln zeugen davon, dass dem Regenguss auch das Murecker Straßenfest zum Opfer gefallen ist.
Joachim Hainzl
[1] Vgl. Grazer Tagblatt, 7.11.1929, S. 12
[2] Vgl. Grazer Tagblatt, 4.11.1929, S. 3
[3] https://bad-radkersburg.gv.at/sites/1weltkrieg
[4] Grazer Tagblatt, 31.10.1929, S. 4
[5] Grazer Tagblatt, 4.11.1929, S. 3
[6] ebenda
[7] Vgl. https://pavelhaus.at/aktuelles/veranstaltungen/der-weg-nach-hause
[8] Vgl. https://pavelhaus.at/aktuelles/veranstaltungen/im-void


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