Nach wenigen Fahrminuten kommen wir, David Kranzelbinder folgend, am Grazertorplatz beim Siegesdenkmal der Roten Armee an, das in einer kleinen Grünfläche aufgestellt ist. Der mit Marmorplatten verkleidete Sockel zeigt drei vom Grazer Künstler Wilhelm Gösser entworfene Sowjetsoldaten in kämpfender marschierender, stehender und knieender Position, mit Maschinenpistolen (teilweise im Anschlag) und einer Flagge mit dem Sowjetstern.




Die russischen Inschrift auf der Vorderseite unter dem sowjetischen Emblem lautet:
Вечная слава героям,
отдавшим свою жизнъ
за спасение
Советскои Родииы и
народов Европы
от фашистского раьства.
СССР 1945
Die Übersetzung lautet sinngemäß:
„Ewiger Ruhm den Helden, die ihr Leben für die Rettung
des sowjetischen Vaterlandes und der Völker Europas
von dem faschistischen Joch gaben.
Dazu kommen noch folgende Inschriften auf den Seiten:
„Eure Unsterblichkeit besingt den Völkerruhm.
Union der sozialistischen Sowjetrepubliken.“
„In der Schlacht haben wir das Schicksal der Generationen gewendet.“[1]
Und David Kranzelbinder meint dazu:
(David Kranzelbinder, 0:33 min)
Über das Ende des Zweiten Weltkriegs, die ersten Nachkriegsmonate und das Entstehen des „Russendenkmals“ ist auf der Website der Stadt Radkersburg folgender Text zu finden: „Am 8. Mai 1945 fand der Zweite Weltkrieg sein Ende. Am nächsten Tag erfolgte die vollständige Besetzung des Bezirkes Radkersburg durch Truppen der sowjetischen 57. Armee. Sechs Tage später zogen außerdem jugoslawische Partisanen in die Stadt ein und verbündeten sich mit bulgarischen Truppen, die das Gebiet von Radkersburg über Wildon bis zur Koralpe besetzt hatten. Die Bulgaren blieben aber nur wenige Tage in der Stadt. Durch das Abkommen über die Besatzungszonen zwischen den alliierten Siegermächten vom 9. Juli 1945 fiel die Steiermark in die britische Besatzungszone. Die Partisanen hatten sich bereits am 5. Juli 1945 aus der Stadt zurückgezogen. Am Vormittag des 24. Juli 1945 trafen die ersten britischen Soldaten in Radkersburg ein. (…) Radkersburg war nach dem 2. Weltkrieg eine zerstörte, ausgeplünderte Stadt. Nur vier der insgesamt 321 Häuser blieben unbeschädigt. Der Bau des Denkmals erfolgte in kürzester Zeit: Am 22. Mai erschien ein sowjetisches Baukommando und quartierte sich am Hauptplatz ein. Dieses forderte 100 Arbeiter, Baumaterial sowie entsprechende Fuhrwerke. All dies in dieser Zeit bereitzustellen war eine enorm schwierige Aufgabe. Gefangene aus dem Bezirksgericht, aber auch zahlreiche Radkersburger Frauen und Jugendliche wurden zu den Arbeiten verpflichtet. Nach sechs Wochen schwerster Betonierarbeit war das Denkmal am 1. Juli 1945 fertiggestellt.“[2]
Die Enthüllung des damals noch um vieles wuchtigeren Denkmals am ursprünglichen prominenten Standort – dem Radkersburger Hauptplatz und in unmittelbarer Nähe zur Mariensäule – scheint erst am 12. August 1945 erfolgt zu sein, zusammen mit einer Denkmalenthüllung in Murska Sobota: „Sonntag fand die Enthüllung von zwei Denkmälern in Murska-Sabota (jenseits der jugoslawischen Grenze) und in Radkersburg (Österreich) statt. Die erste Gedenkfeier für die gefallenen russischen und jugoslawischen Truppen fand am Morgen, die zweite für die russischen Truppen am Nachmittag statt. In den Straßen von Murska-Sabota drängten sich die jugoslawischen Patrioten. Mädchen und Kinder in Nationalkostümen boten ein malerisches Bild, als sie die Autos der vertretenden Generäle mit Blumen bewarfen. Alle Gebäude waren mit russischen, jugoslawischen, amerikanischen und britischen Fahnen geschmückt. Das Denkmal ist ein eindrucksvoller Bau, überragt von zwei Soldaten in Bronze, einem russischen und einem jugoslawischen. Nach der Enthüllung hielten General Keselyov, der russische Vertreter in Belgrad, sowie die jugoslawischen Generäle Quander und Goschniak Ansprachen, in denen sie der Alliierten ehrend gedachten. Generalmajor C. E. Weir, der Kommandant der 43. britischen Division, drückte seine Hoffnung aus, dass die Gedenkfeier nicht vergeblich sein würde und dass die alliierten Mächte auch im Frieden weiter zusammenarbeiten würden. Einer Parade jugoslawischer Truppen folgte ein Vorbeimarsch von jugoslawischen Zivilbeamten. Nach einem Frühstück begaben sich die Generäle nach Radkersburg, das jetzt von britischen Truppen besetzt ist. Dort begrüßten britische Ehrenposten die Offiziere. Es wurde ein eindrucksvolles Denkmal aus Stein von General Strukov, dem russischen Kommandanten in Wien, enthüllt. Es folgten die russische, jugoslawische, amerikanische und britische Nationalhymne und Ansprachen jugoslawischen Generals Levitnich sowie Generalmajors Weir. Mit General Weir erschien Brigadier A. D. McKechnie, Kommandeur der 138. Brigade, und Oberst Wilkinson, Leiter der Militärregierung Steiermark. Bei der Nachmittagsfeier spielte die Kapelle der 138. Infanteriebrigade.“[3]
Wie ein Bild dieser Feierlichkeit zeigt[4], scheint die Beteiligung der Radkersburger Bevölkerung an dieser Denkmalenthüllung überschaubar gewesen zu sein.

Im Jahr 1953 berichteten mehrere Medien über verhaftete steirische Neonazis. Man schrieb, dass „die polizeilichen Erhebungen über die Tätigkeit des neonazistischen ‚Freikorps Alpenland‘ ergaben, dass die Burschen das von den Russen errichtete Denkmal in Radkersburg und das Grazer Denkmal für die in den Konzentrationslagern Umgekommenen sprengen wollten.“[5]Bei der Verhandlung im April 1954 gegen den Hauptangeklagten Alfred Semlitsch sowie die Mitangeklagten Alois Monschein, Hugo Pacher, Alois Allerbauer, Hugo Steinbrugger, Otto Ritzinger, Friedlich Krendl und Anton Pfeifer wurde diesen jedoch nur mehr die Verteilung neonazistischer Flugblätter in mehreren steirischen Städten und die Beschmierung des Gedenksteins in Straßgang, der zur Erinnerung an drei von den Nazis ermordete amerikanische Piloten errichtet worden war, angelastet.[6] Die Angeklagten wurden nach dem Verbotsgesetz zu Strafen zwischen drei Jahren und 8 Monaten schwerem Kerker verurteilt.[7]
Die wohl schon länger gewünschte Beseitigung des Denkmals vom zentralen Radkersburger Platz erfolgte dann im Jahr 1958 im Zuge der Altstadtsanierung unter dem damaligen Bürgermeister Alfred Merlini. Der Verlegung und Neuaufstellung in stark verkleinerter Form „gingen zähe Verhandlungen mit der sowjetischen Botschaft voraus.“ [8]
Eine völlige Beseitigung ließ bzw. lässt der 1955 geschlossene Staatsvertrag nicht zu. Im Artikel 19 heißt es nämlich:„Österreich verpflichtet sich, die auf österreichischem Gebiet befindlichen Gräber von Soldaten, Kriegsgefangenen und zwangsweise nach Österreich gebrachten Staatsangehörigen der Alliierten Mächte und jener der anderen Vereinten Nationen, die sich mit Deutschland im Kriegszustand befanden, zu achten, zu schützen und zu erhalten; desgleichen die Gedenksteine und Embleme dieser Gräber sowie Denkmäler, die dem militärischen Ruhm der Armeen gewidmet sind, die auf österreichischem Staatsgebiet gegen Hitler-Deutschland gekämpft haben.“[9]
Als einziges der in der Steiermark existierenden Sowjetdenkmäler steht dieses hier unter Denkmalschutz.[10]
Joachim Hainzl
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Siegesdenkmal_der_Roten_Armee_(Bad_Radkersburg)
[2] https://bad-radkersburg.gv.at/sites/denkmal-russendenkmal
[3] Neue Steirische Zeitung, 14.8.1945, S. 2
[4] Vgl. Neue Steirische Zeitung, 19.8.1945, S. 3
[5] Vgl. Die Weltpresse, 25.11.1953, S. 1
[6] Vgl. Neues Österreich, 30.4.1954, S.
[7] Vgl. Welser Zeitung, 6.4.1954, S. 18
[8] https://bad-radkersburg.gv.at/sites/denkmal-russendenkmal
[9] https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10000265
[10] Vgl. ÖKB Steiermark (Hg.), Mahnmale und Kriegerdenkmäler in Steiermark. Graz 2012, S. 593


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