Nur wenige Kilometer vom Dorfplatz in Ratschendorf liegt in derselben Ortschaft (und damit auch zur Gemeinde Deutsch-Goritz gehörend) der Marienwallfahrtsort Maria Helfbrunn. Seit rund 400 Jahren wird hier daran geglaubt, dass das Brunnenwasser durch Baden und Trinken helfen könne. Schon im 18. Jahrhundert diente eine Bretterhütte – trotz Widerstand der kirchlichen Autoritäten – als Badehaus, zu der die Menschen pilgerten. Die hölzerne Kapelle über der Quelle wurde 1881 abgetragen und durch eine Grotte, ähnlich dem französischen Wallfahrtsort Lourdes, ersetzt.[1]





Als die Gemeinde Ratschendorf Mitte des 19. Jahrhunderts zur Pfarre Mureck kam, wurden nunmehr die Wallfahrt und der Bau einer Kirche auf dem Hügel oberhalb der Brunnenkapelle gefördert. Auf eine kleine Kirche 1856 folgte 1898 der heute existente Kirchenbau.


Das aktuelle Gefallenendenkmal befindet zwischen der Wallfahrtskirche und einem Maisfeld und trägt die Inschrift „Vergesst uns nicht“. Auf dem Marmorsteinblock, der auf Tafeln die Namen der Opfer der beiden Weltkriege anführt, sind zwei dekorierte Soldaten der k.u.k.-Armee zu sehen. Ein sitzender und verletzter (sterbender?) Soldat mit einer großen Stichwunde auf seiner linken Brusttasche stützt sich auf, während ein hinter ihm stehender Soldat mit geballter Faust seine linke Hand beschützend auf seine Schulter legt.
Auf das ursprüngliche 1921 von Heimkehrern errichtete Denkmal folgte 1969 ein im Rahmen eines „Grenzlandtreffens“ des ÖKB gesegnetes neues Gefallenendenkmal, das wiederum die Darstellung der beiden Soldaten verwendete. Auf eine Renovierung 1998 folgte 2011 eine weitere Neugestaltung.[2]



Das Denkmal enthält 14 Namen von Gefallenen des Ersten und 21 Namen von Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs. Bei den Namen sind sowohl Geburts- als auch das Sterbejahr angegeben.[3]
Unter den angeführten Männern findet sich auch der erst im September 1945 im Grazer LKH verstorbene 54-jährige Fabriksbesitzer Ing. Roman Prisching[4], der um die Mitte der 1920er und auch noch 1933 als Obmann der deutschnationalen Ortsgruppe des über 120 Mitglieder zählenden Deutschen Schulvereins Südmark aktiv[5] und im Helfbrunner Dachziegelwerk Anton Priesching beschäftigt war.[6] 1926 wird nicht nur über eine „Anschlusskundgebung“ auf dem Murecker Hauptplatz berichtet[7], sondern auch über den Besuch von Reichsdeutschen in der Grenzregion: „Aus Radkersburg wird uns vom 16. d. gemeldet: Heute besuchten 89 reichsdeutsche Studenten, die Gäste der großdeutschen Tagung in Wien waren, unsere Grenzfeste. Auf dem Bahnhofe wurden die Studenten von den Vertretern der Gemeinde und der völkischen Vereine begrüßt. Unter Führung des Obmannes des Vereines Südmark und des Schulvereines kam es bald zu einem freundschaftlichen Verkehr mit der Grenzbevölkerung. Dis Studenten fanden überall herzliche Ausnahme. Bürgermeister Dr. Kamniker begrüßte die reichsdeutsche Jugend im Namen der Stadt und der Bevölkerung. Um 2 Uhr Nachmittag erfolgte die Abfahrt. In geschlossenen Reihen, mit den Vertretern der Stadtgemeinde, den deutschen Frauen und Vertretern aller deutschvölkischen Körperschaften an der Spitze, ging es zum Bahnhof, wo man sich herzlich verabschiedete. Heute unternahmen die reichsdeutschen Gäste in drei Gruppen Fahrten in die steirische Provinz, ins Burgenland und in die Grenzgebiete Radkersburg, Mureck und Straß. Die zweite Gruppe, die in Mureck durchfuhr, wurde von den völkischen Vereinen sowie von den Alten Herren von Couleurs Dr. Walter Krautgasser, Dr. Hans König, Dr. Otto Muhri, Ing. Roman Prisching, Hubert Posch und Ferdinand Dirnböck d. J. herzlich begrüßt. Hierauf stimmte der deutsche Sängerverein Mureck den nationalen Chor ‚Was ist des Deutschen Vaterland?‘ an. Als sich der Zug wieder in Bewegung setzte, brachen die Vereine in stürmische Heilrufe aus.“[8]
Von Helfbrunn geht es nun weiter nach Bad Radkersburg.
Joachim Hainzl
[1] Vgl. https://www.deutsch-goritz.at/freizeit-urlaub/maria-helfbrunn/
[2] Vgl. ÖKB Steiermark (Hg.), Mahnmale und Kriegerdenkmäler in Steiermark. Graz 2012, S. 629
[3] Vgl. http://www.denkmalprojekt.org/2015/ratschendorf(helfbrunn)_gde-deutsch-goritz_bz-suedoststeiermark_steiermark_oe.html
[4] Vgl. Neue Steirische Zeitung, 14.9.1945, S. 3
[5] Vgl. Grazer Tagblatt, 8.5.1926, S. 20
[6] Vgl. Arbeiterwille, 30.7.1930, S. 8
[7] Vgl. Grazer Tagblatt, 3.7.1926, S. 8
[8] Grazer Tagblatt, 18.3.1926, S. 19


Hinterlasse einen Kommentar