GRAZ – ST. GEORGEN AN DER STIEFING (Gefallenendenkmal/Mariensäule) – LANG / LEBRING (Soldatenfriedhof) – LANG (Gefallenendenkmal) – TILLMITSCH (Gefallenendenkmal) – LEIBNITZ (Gefallenendenkmal) – HEIMSCHUH (Gefallenendenkmal) – GROSSKLEIN (Gefallenendenkmal) – GLEINSTÄTTEN (Gefallenendenkmal) – ST. ANDRÄ IM SAUSAL (Gefallenendenkmal) – GRAZ
Endlich geschafft! Nach den doch noch recht aufwändigen Recherchen hier der erste Blogbeitrag zur zweiten Tour durch die Steiermark.
An diesem schönen und fast schon zu warmen Herbstwochenende hatten wir uns viel vorgenommen. Nicht nur wollten wir insgesamt neun Orte besuchen, sondern auch mit zwei Vertreter:innen des Österreichischen Kameradschaftsbunds (ÖKB) Gespräche führen.
Unser erstes Ziel ist die Marktgemeinde St. Georgen an der Stiefing mit ihren 1.614 Bewohner:innen.[1] Hier treffen wir Eva-Maria Leodolter, die mehr als 25 Jahre lang Redakteurin bei diversen Print-Medien war und über viele Jahre ihre eigene Werbeagentur geleitet hat. Außerdem ist sie seit rund 20 Jahren beim Kameradschaftsbund (ÖKB) als Presse- und Internetreferentin des Ortsverbandes (sowie des Bezirksverbandes Leibnitz) tätig, der das Gebiet der Pfarre umfasst und zu dem neben den Gemeinden St. Georgen und Ragnitz auch drei Ortsteile weiterer Gemeinden dazugehören. Seit dieser Legislaturperiode sitzt Eva-Maria auch wieder als Vertreterin der Sozialdemokratischen Partei im Gemeinderat ihrer Heimatgemeinde. Gemeinsam haben wir, dass wir beide vor langer Zeit das Leibnitzer Gymnasium besucht haben und so wechseln wir gleich mal ins „Du“.

Als ehemalige Journalistin ist Eva-Maria auch ein Profi im Fotografieren und so übernimmt sie meinen Part hinter der Kamera. Immer wieder bleiben Autos stehen und schauen die Fahrer:innen uns neugierig zu.
Nachdem wir unsere Fotos im Kasten haben, setzen wir uns noch zusammen. Eva-Maria drückt mir dann die von ihr gelayoutete ÖKB-Ortsverbandschronik in die Hand, die zu dessen 150-jährigen Bestehen herausgegebenen wurde und viele interessante historische Informationen und Abbildungen enthält. So wurde der ÖKB-Ortsverband 1873 zum 25-jährigen Jahrestag der Schlacht von Custozza (bei Verona) – welche das österreichische Kaisertum unter Feldmarschall Radetzky gegen Italien gewann[2] und an der Vereinsbegründer Johann Tatzl aus Badendorf (26.2.1827-28.11.1912)[3] teilnahm – als „Militär-Veteranenverein“ gegründet (1919 umbenannt in „Kameradschaftsverein ehemaliger Krieger“ und seit 1953 mit aktuellem Namen).
Im Ortsverband hat es einen Generationenwechsel gegeben – 2023 bestand das Durchschnittsalter des mit 255 Mitgliedern größten Vereins der Gemeinde bei 58 Jahren, wobei 27 Mitglieder jünger als 35 Jahre waren[4] – und so „gibt es tatsächlich Burschen, die sind 20 und gleich nach dem Wehrdienst – teilweise auch nach dem Zivildienst (auch Männer, die nie beim Heer gewesen sind, sind dabei) – zum ÖKB dazu gegangen.“ St. Georgen hat heute keine Mitglieder mehr, welche den Zweiten Weltkrieg selbst miterlebt haben. Eva-Maria: „Einer der letzten Kriegsteilnehmer, unseren langjährigeren Kassier Georg Meier[5], haben wir vor zehn Jahren verloren. Ich habe auch noch einige Verwundete ehemalige Kriegsteilnehmer im Ort gekannt.“
Als Treffpunkt haben wir uns das „Kriegerdenkmal“ im Ortszentrum ausgemacht, das im September 1921 eingeweiht (und seitdem mehrmals restauriert) wurde.[6] Es wurde gleichsam zum neuen Sockel der dort bereits stehenden Mariensäule, die – „später“[7] darauf aufgesetzt wurde (die enge Verbundenheit der Kirche zum kriegerischen Kampf zeigte sich auch schon früher, etwa bei der großen Feier zum 20-jährigen Bestehen des Veteranenvereins im Jahr 1896, als der Ortspfarrer die Veteranen bei der Predigt „auf den Treueid hinwies, den sie bei der heil. Taufe ihrem obersten Kriegsherrn Jesus Christus geleistet“ hätten).[8] Diese Mariensäule wurde 1878 neu aufgestellt, nachdem die zuvor am Marktplatz aufgestellte Säule 1877 bei einem Sturm unter einer umgefallenen Linde begraben wurde.[9]

Neben den Namenstafeln für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege (mit 161 Namen von Opfern des Ersten und 184 Namen von Gefallenen bzw. Vermissten des Zweiten Weltkriegs) und besteht heute die denkmalgeschützte Verschmelzung aus Kriegerdenkmal und Mariensäule daher eigentlich „nur“ aus einer Relieftafel, nach einem Entwurf des Schulrats und Malers Ludwig Kurz-Thun-Goldenstein, die einen sterbenden Soldaten zeigt, vor dem Jesus erscheint.[10] Vom Künstler stammt u.a. der Entwurf des 1920 enthüllten Kriegerdenkmals in Straßgang.[11]

Über das Schicksal eines aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrten St. Georgener, den am 28.3.1894 geborenen Franz Berner[12] findet sich folgender Beitrag: „Am 18. April wurde hier der Heimkehrer Herr Franz Berner, vulgo Köcksohn in Kurz-Ragnitz (…) zu Grabe getragen. Vier Jahre schmachtete der Verstorbene in russischer Gefangenschaft; lange Zeit bekamen seine Angehörigen von ihm keine Nachricht ja, man hielt ihn längst für tot. Wie groß war das Erstaunen und wie unbeschreiblich die Freude, als der so lange Vermisste am 30. März nach mehrmonatlicher Rückreise das Heimatshaus betrat. Doch; die Freude wurde bald in Trauer verwandelt. Aufgerieben von unzähligen Entbehrungen in der Gefangenschaft, erschöpft und entkräftet durch die strapazenvolle Heimreise, mutzte Herr Berner zu Hause gleich ins Krankenbett. Am 16. April erlag er (…) einer Lungenentzündung.“[13]

Nicht weit entfernt von der Mariensäule macht uns Eva-Maria auf den 1931 wieder aufgestellten (und vermutlich im Zuge der josephinischen Reformen verschwundenen) steinernen Pranger bzw. die „Marktfreiung“ aufmerksam, die, „nachmittelalterlichen Ursprungs“, (…) die Form eines dreiseitigen Obelisken mit eingelassenen Befestigungsringen und einem modern ergänzten Freiungsarm aus Eisen“ hat.[14] Heute noch wird beim Georgi-Markt die „Marktfreiheit“ durch diesen ausgestreckten Arm symbolisiert, der ein Schwert trägt.[15]
Die Wiederaufstellung der „Marktfreiung“ fand anlässlich der Feier des 10 Jahre zuvor aufgestellten Kriegerdenkmals statt und wurde vor allem von Bruno Binder-Krieglstein, Sohn des 1914 verstorbenen Kriegsberichterstatters Eugen Binder-Krieglstein auf Schloss St. Georgen.[16] Unter den Gefallenen des 2. Weltkriegs findet sich am Denkmal auch der Name von Josef Binder-Krieglstein.[17]
Von Eva-Maria wird dann noch das Dollfuß-Denkmal erwähnt, das 1936 während der Zeit des Ständestaates von der Pfarre und der Vaterländischen Front im Ortszentrum aufgestellt und 1938 (als Österreich dem NS-Regime angeschlossen wurde) zerstört wurde und deren Einweihungsfeier ebenfalls mit einer Heldenfeier beim Kriegerdenkmal begann.[18]
In der ÖKB-Ortsverbandschronik wird der Übergang von der Ersten Republik zum Ständestaat und dessen Ende mit der NS-Machtergreifung am Beispiel der steirischen „Kameradschafts-Landesbundes“ spannend illustriert: „Mit der Ausschaltung des Parlaments im März 1933 begannen für den Kameradschafts-Landesbund aber schwere Zeiten. Nicht nur die Republik Österreich war entzweit, sondern auch der Kameradschaftsbund, wodurch sich eine Teilung in Dollfußanhänger („Kameradenbund“) und Unterstützer der Demokratie (weiterhin Kameradschafts-Landesbund). Die Sicherheitsdirektion für Steiermark erklärte am 19.April 1934 den Kameradschafts-Landesbund schlichtweg als aufgelöst und. (…) Der Präsident des „Reichs-Kameradschafts- und Kriegerbund Österreichs“, Generaloberst Fürst Alois Schönburg-Hartenstein schuf nach dem Juliputsch und der Ermordung Dollfuß im Sommer 1934 einen neuen Dachverband, dem sich alle steirischen Ortsverbände anschließen sollten. Und tatsächlich gelang es,150 Ortsvereine darunter den Ortsverein St. Georgen an der Stiefing, unter der Schirmherrschaft des „Landes-Kameradschafts- und Kriegerbund Steiermark“ zu vereinigen. (…) Nach dem Anschluss 1938 wurden alle Kameradschafts-, Heimkehrer- und sonstige Veteranenverbände für aufgelöst erklärt und in den ,,National-sozialistischen Reichskriegerbund“ übernommen.“[19]
Dass Eva-Maria als eine der ersten Frauen in der Steiermark zum ÖKB kam, verdankte sie ihrem Bekannten, der damals SPÖ-Bürgermeister von Ehrenhausen und Bezirksobmann des Kameradschaftsbundes war. Als Journalistin bei einer ÖKB-Veranstaltung eingeladen, sah sie, dass „bei einer Präsentation plötzlich mein Name als kooptiertes neues Mitglied für den Leibnitzer Bezirksvorstand des ÖKB dort stand. Ich habe nichts davon gewusst – das heißt, ich bin wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Ich habe mich dann natürlich mit dem ÖKB befasst und herausgefunden, dass Frauen immer schon ein tragender Teil dieser Organisation waren, weil Frauen die Kriegshinterbliebenen und Waisen und natürlich auch diejenigen, die aus den Kriegen zurückgekommen sind, gepflegt haben. Und Frauen waren auch in der Gründungsphase des ÖKB dabei.“ Am Anfang waren – wenig überraschend – nicht alle von der Aufnahme einer Frau beim ÖKB begeistert. „Es sind gleich drei Männer aus meinem eigenen Ortsverband ausgetreten, weil sie meinten, dass Frauen nichts dabei verloren hätten, und ich keinen Wehrdienst geleistet habe.“ Mit der Zeit habe sie sich jedoch absolut akzeptiert und angenommen gefühlt. Im Unterschied zu Frauen in anderen Ortsverbänden trage sie als weibliches ÖKB-Mitglied „die Uniform, die auch die Männer tragen. Das hat am Anfang bei manchen Frauen nicht so Anklang gefunden, weil die meinten, man muss dann doch ein Dirndl tragen, so wie die Marketenderinnen, die es beim Kameradschaftsbund gibt,“ so auch in St. Georgen.[20]
Auch in Eva-Marias Umfeld und Familie konnten nicht alle etwas mit ihrem Engagement für den ÖKB anfangen: „Mein Vater war Pazifist und dagegen, dass ich zum ÖKB gegangen bin. Aber ich möchte mit meiner Öffentlichkeitsarbeit auch verständlich zu machen, dass es eine Wende und ein breiteres Publikum für den ÖKB geben kann. Früher war das Image des ÖGB wirklich das der ewiggestrig denkenden, kniewackelnden alten Kameraden. Aber diese Zeiten sind definitiv vorbei!“
Auf die Frage, wofür der ÖKB heute stehe, gibt es in der ÖKB-Ortsverbandschronik einige Hinweise. Sie sei eine Wertegemeinschaft und für ihren Obmann, den Ragnitzer ÖVP-Bürgermeister Manfred Sunko ist er „ein identitätsstiftender Verein, welcher die soldatischen Traditionen und das Brauchtum des christlichen Abendlandes bewahrt und lebt.“[21] Dazu Eva-Maria: „Ich glaube, das einzige, das übrig geblieben ist von diesem alten Denken ist der Patriotismus. Das merkt man in unseren Reihen, dass die Kameraden Österreich in den Vordergrund stellen. Aber ich persönlich habe keine Ausländerfeindlichkeit wahrgenommen. (…) Wenn es zum Beispiel – wie zuletzt in Laubegg – eine Angelobung von Jungsoldaten gibt, dann ist der ÖKB dort auch sehr präsent und wir haben mit den jungen Soldaten, die einrücken ‚gefeiert‘, dass sie den Wehrdienst leisten.“ Auch wenn es Kooperationen mit dem Österreichischen Bundesheer gäbe, stehe für sie persönlich das Militärische nicht im Vordergrund, sondern „das Kameradschaftliche. In Wahrheit ist es wie ein Freizeitverein. Wir sind ein sehr fortschrittlicher junger Ortsverband, der ganz viele Sportveranstaltungen und Jugendveranstaltungen macht. Dass wir auch scharf schießen gehen (und dafür keine Waffenbesitzkarte benötigen) hat eher eine sportliche Bedeutung. Ich war selbst schon Bezirksmeisterin im Sturmgewehrschießen und Regionalmeisterin im Kleinkaliber sowie immer vorne dabei, auch beim Glock 9mm Pistolenschießen. Ich denke nicht, dass da Kriegsgedanken dahinterstecken, zumindest nicht bei den Schützen, die ich kenne.“

„Treu zur Heimat“, Spruch auf der neuen Fahne des Ortsverbandes aus dem Jahr 1998[22]
Die Begleitung verstorbener Mitglieder zählt ebenfalls zur Kameradschaftspflege: „Wenn jemand stirbt, erweisen wir ihm die letzte Ehre. Wenn es gewünscht ist vom Kameraden, wird nach dem Kirchgang der Sarg vor dem Kriegerdenkmal hingestellt. Dann wird eine kurze Rede gehalten über den Verstorbenen und was er für Ehrungen und Auszeichnungen beim Kameradschaftsbund oder Bundesheer hatte. Dann wird dreimal Salut geschossen. Wir haben eine Sondergenehmigung, im Ort zu schießen, was jahrelang nicht mehr erlaubt war. Geschossen wird mit einer kleinen Kanone.“
Unser Projekt trägt den Titel „Von welchen Helden reden wir“. So befragen wir auch Eva-Maria dazu: „Von Heldentum habe ich nie etwas gehört. Ich habe immer gehört, wie schrecklich der Krieg war – mein Stiefgroßvater hat mir sehr viele Geschichten aus dem Krieg und seiner Gefangenschaft in Russland erzählt. Und das war grauenhaft. Nur weil jemand dort gekämpft hat oder zurückgekehrt ist, ist er ja kein Held.“
Auf dem Gefallenendenkmal findet sich mit Franz Leodolter (am Denkmal: Leadolder) Eva-Marias Urgroßvater, der im Ersten Weltkrieg im Soča-Tal (wie Isonzo im Slowenischen heißt) gefallen ist. Rupert Leodolter[23] (geb. 23.9.1915, am Denkmal: Robert) ist ein weiterer Verwandter: „Er ist der Bruder von Franz und Maria Leodolter. Müsste der Urgroßonkel väterlicherseits sein.“ Er wurde, so Eva-Maria, in Kroatien im Zweiten Weltkrieg bei einem Partisanenangriff kurz vor Kriegsende verwundet und dann in einem deutschen Krankenhaus verarztet, da er 1943 in Deutschland eine Deutsche geheiratet hatte. Eine andere Information zu Todesort und Grabstätte findet sich auf der Seite „Gräbersuche“. Demnach ist er am 1.11.1943 in „südwestl. Vshi, Ital.“ gestorben und am Friedhof Videm der slowenischen Stadt Celje bestattet (vgl. https://www.volksbund.de/erinnern-gedenken/graebersuche-online/detail/a3TJy0000007biIMAQ)


In Heiligenkreuz am Waasen findet sich unter den Gefallenen der Name von Eva-Marias Großvater mütterlicherseits, Josef Stradner (geb. 10.3.1911, verstorben am 16.1.1943 in Fela 24(m) Nadino). Zusammen mit über 60.000 anderen Gefallenen ist er am Friedhof der russischen Stadt Sologubowka begraben, in Block 12, Reihe 11, Grab 1290.[24]
„Er ist 1943 an einem Bauchschuss gestorben.“ Einer von den Nachbarn ist mit ihm dort gewesen und hat Josef Stradner gesehen, „wie seine Eingeweide durch diesen Bauchschuss außen liegend waren. Er hat sie in den Händen gehalten und fürchterlich geweint und geschrien. Er hat seinem Nachbarn noch mit auf den Weg gegeben: ‚Wenn du nach Hause kommst, kümmere dich um meine Frau!‘ Sie hatte drei kleine Kinder.“
Sie hat dann den 1909 geborenen Anton Dreisinger geheiratet, der selbst im Krieg war und Eva-Maria Grauenhaftes über den Krieg erzählte: Nachdem er zuerst in Griechenland für die Wehrmacht kämpfen musste, sei er von dort mit dem Zug in das sowjetische Murmansk, das nördlich des Polarkreises liegt, verfrachtet worden. „Mit dem Gewand, das sie in Griechenland angehabt hatten – also nur leichte Marschbekleidung – hat er in Murmansk kämpfen sollen. Dort war es so kalt, dass sie, das hat er mir persönlich erzählt, verendete Pferde aufgeschnitten haben und in die Körper hineingekrochen waren, um sich warm zu halten.“ Und es war „alles so gefroren an ihnen, dass einer den Schuh ausgezogen hat und der Fuß drinnen geblieben ist!“ Da sie nichts zu essen gehabt hätten, hätten sie – laut Erzählungen ihres Stiefgroßvaters – auch die eigenen verstorbenen Kameraden gegessen. Zeit seines Lebens war ihm seine Traumatisierung anzumerken: „Er war absolut unemotional. Aber wenn er über den Krieg gesprochen hat, dann ist er in Tränen ausgebrochen und wollte meistens nicht weiterreden.“
Inzwischen dauert unser Gespräch hier am Tisch eines geschlossenen Lokals, wo von der Hecke mit ihren Isabella-Trauben ein süßer Duft hinüberweht und die Reste der vortägigen Hochzeitsfeier weggeräumt werden, schon eine dreiviertel Stunde. Zwischendurch geht’s etwas laut zu, da der Wirt zum Saubermachen seinen Laubbläser einsetzt, der den ganzen Staub fein auf den Tischen verteilt.


Am St. Georgener Gefallenendenkmal finden sich übrigens allem Anschein nach auch Namen von Personen, die nicht als Soldaten im Zweiten Weltkrieg gefallen sind bzw. vermisst werden.
So dürfte es sich bei dem am 16.3.1942 beigesetzten Josef Ferl um jenen im Dienst verunglückten Hilfsgendarmen handeln, „der als Politischer Leiter und SA.-Mann 1942 ein aktives Mitglied der NSDAP seines Heimatortes war“.[25]
Ein weiterer Name irritiert ebenfalls. Denn jener am Denkmal erwähnte Johann Gartler dürfte ident sein mit jenem „strammen Mitglied der Bauernwehr“, der als Aspirant der Brucker Gendarmerie bereits am 12. Februar 1934 beim Februaraufstand in Bruck an der Mur von Schutzbündlern durch einen Schuss in die Brust getötet worden war.[26]
Joachim Hainzl
[1] Vgl. https://st-georgen-stiefing.gv.at/gemeinde/wissenswertes
[2] Vgl. Christoph Neuhold, Österreichischer Kameradschaftsbund, Ortsverband St. Georgen an der Stiefing. Verbandschronik 1873-2023. St. Georgen an der Stiefing 2023, S. 28, 36
[3] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/st-georgen-an-der-stiefing/15503/?pg=156
[4] Vgl. Neuhold, S. 28, 36, S. 22-24.
[5] Vgl. https://bestattung-leibnitz.at/0uploads/dateien1615.pdf
[6] Vgl. Neuhold, S. 28f.
[7] In Der ÖKB-Verbandschronik findet sich keine Jahresangabe. Vgl. Neuhold, S. 60.
[8] Grazer Volksblatt, 30.9.1896, S. 5.
[9] Vgl. Grazer Volksblatt, 29.6.1877, S. 3 und Neuhold, S. 39
[10] Vgl. Grazer Volksblatt, 10.8.1921, S. 4, https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_von_Kurz_zum_Thurn_und_Goldenstein
[11] Vgl. Der Bautechniker 19.11.1920 (= Nr. 46/47), S. 362.
[12] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/st-georgen-an-der-stiefing/2624/?pg=324
[13] Grazer Tagblatt, 30.4.1919, S. 6. Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/st-georgen-an-der-stiefing/15503/?pg=202
[14] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Sankt_Georgen_an_der_Stiefing
[15] Vgl. https://www.meinbezirk.at/leibnitz/c-lokales/kraemermarkt-mit-langer-tradition-in-st-georgen-an-der-stiefing_a3317802 und https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/B_Jg81_Helga-ZUGSCHWERT-Marktfreiungen-in-der-Steiermark.pdf
[16] Vgl. Grazer Tagblatt, 5.8.1931, S. 4 und https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Binder_von_Krieglstein: „Von 1897 bis 1914 nahm v. Krieglstein als Kriegsberichterstatter an insgesamt 17 Feldzügen, Revolutionen und Expeditionen teil. 1897 berichtete er für das Wiener Fremden-Blatt über den türkisch-griechischen Krieg auf Kreta. Seine Parteinahme für die Türken führte zur Gefangennahme durch die Griechen. Aufgrund diplomatischer Vermittlung kam er wieder frei; er arbeitete danach kurzzeitig für das Pressebüro des türkischen Außenministeriums in Konstantinopel. In den Jahren 1897/98 schrieb v. Krieglstein als Zeitungskorrespondent über den Revolutionär Cipriano Castro in Venezuela und 1898 über den Spanisch-Amerikanischen Krieg. (…) In den Jahren 1900/01 nahm er als Kriegsberichterstatter am Boxeraufstand in China teil, 1906 an der russischen Revolution in der Mandschurei, 1911/12 am Krieg zwischen der Türkei und Italien um Tripolitanien sowie 1913/14 an der Revolution in Mexiko. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehrte er nach Österreich zurück und trat wieder in die Armee ein. (…) Er starb im September 1914 im galizischen Sieniawa, wo sein Dragonerregiment stationiert gewesen war.“ Bekannt ist auch der Musiker
Rainer Binder-Krieglstein, Urenkel von Eugen Binder-Krieglstein (vgl. https://www.binder-krieglstein.com/html/familie.html).
[17] Vgl. http://www.denkmalprojekt.org/2016/st-georgen-an-der-stiefing-wk1-wk2-steiermark.html
[18] Vgl. Grazer Volksblatt, 16.9.1936, S. 8 und Neuhold, S. 38 (Abbildung).
[19] Neuhold, S. 38f.
[20] Vgl. Neuhold, S. 73.
[21] Vgl. Neuhold, S. 16.
[22] Vgl. Neuhold, S. 57.
[23] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/st-georgen-an-der-stiefing/15500/?pg=370
[24] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/heiligenkreuz-am-waasen/5337/?pg=113 und https://www.volksbund.de/erinnern-gedenken/graebersuche-online/detail/a3TJy0000005W3QMAU.
[25] Steirerland, 1.3.1942, S. 10f.
[26] Vgl. Grazer Tagblatt, 3.3.1934, S. 17; Vgl. Johann Gartler (25.1.1909-12.2.1934, https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/st-georgen-an-der-stiefing/15504/?pg=45).


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