Nach unserem sehr interessanten Aufenthalt in Lang geht es weiter in das nicht weit entfernte Tillmitsch, das von rund 4.000 Menschen bewohnt wird. Auch hier wurde das Denkmal, das am Dorfplatz neben der Kapelle für die 25 soldatischen Opfer des Ersten und 29 verstorbenen und vermissten Soldaten des Zweiten Weltkriegs steht, erst 1952 eingeweiht (1956 wurden dann nochmals der Platz der Namenstafeln verändert).[1]

Das Denkmal enthält 25 Namen verstorbener Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg und aus dem Zweiten Weltkrieg, ohne jegliche Zusatzinformation.

Unter dem mittig angebrachten Spruch „Unseren Helden zum Gedenken“ (auch hier sei die Frage erlaubt, inwiefern der Kampf für Hitlers Wehrmacht jemanden zum Helden machen kann) an der rund fünf Meter langen Wand zeigt ein Relief mit zwei Soldaten, der eine mit Pistolenhalfter und der andere mit einer Tasche für das Messer. Der behelmte Soldat stützt einen zweiten, darnieder sinkenden (verwundeten oder sterbenden) und ihn umarmenden Kameraden, dem sein Gewehr aus der einen Hand gleitet, während er in der anderen Hand ein Medaillon mit der Silhouette eines Kopfes (Symbol für Maria oder Ehefrau oder Mutter oder?) festhält.

Darunter befindet sich noch das Leopoldskreuz des Österreichischen Kameradschaftsbundes. Das vom ÖKB verwendete Tatzenkreuz mit geschwungenen Kreuzarmen und eingebogenen Kreuzenden basiert auf dem 1808 von Kaiser Franz I. geschaffenen Verdienstorden, der in Erinnerung an seinen Vater „Leopold-Orden“ genannt wird. Der Orden wurde für zivile und militärische Verdienste bis 1918 verliehen. Später wurde das „Leopoldskreuz“ in der k.u.k. Monarchie  für das Militärverdienstkreuz verwendet und ab den 1880er Jahren von österreichischen Krieger- und Veteranenvereinen an langjährige Mitglieder vergeben. Das seit 1989 von der Republik Österreich als höchste militärische Auszeichnung gestiftete Militärverdienstzeichen sowie das Wehrdienstzeichen des österreichischen Bundesheeres haben ebenfalls die Form des Leopoldkreuzes.[2]

Erster Weltkrieg

Lediglich zu zwei Namen am Denkmal finden sich online Zusatzinformationen:

  • Der 1883 geborene Reiter Anton, Infanterist beim IR Nr. 47, verstarb am 24. Dezember 1915.[3]
  • Zum Schützen Franz Stangl findet sich 1917 folgende Information: „Heldentod. Am 19. Juni hat am Monte Zebio [im Veneto] der erst 19 Jahre alte, in einem Schützenregimente eingereihte Franz Stangl aus Tillmitsch bei Leibnitz den Heldentod fürs Vaterland erlitten.“ [4]

Zweiter Weltkrieg

  • Der in Obertillmitsch geborene Karl Allinger wird am Denkmal als vermisst angeführt. Er dürfte in Stalingrad gefallen ein. Sein Name ist auf dem Rossoschka Würfel 1 Platte 17 des Friedhofs im russischen Wolgograd verzeichnet.[5] Sein offizielles Todesdatum wurde 1954 von Amtswegen mit 10. Jänner 1943 festgelegt.[6]
  • Der in Tillmitsch geborene Matthias Gritsch war vor der NS-Machtübernahme 1938 als Gendarm und auch noch 1940 als Bezirksoberwachtmeister in Radkersburg tätig.[7] Er verstarb im Juni 1943 in Polen.[8]
  • Der in Untergralla geborene Johann Georg Andrä wird am Denkmal als „vermisst“ angeführt. Es finden sich jedoch die Informationen online, dass er am 3. Oktober 1944 im griechischen Patras umgekommen ist. Da er bei den Umbettungsarbeiten in seinem ursprünglichen Grablageort nicht zweifelsfrei identifiziert werden konnte, ist er als „unbekannter Soldat“ auf dem Deutschen Soldatenfriedhof im griechischen Dionyssos-Rapendoza bestattet worden, in der Endgrablage: Gruft 2 Platte 1.[9]
  • In Obertillmitsch wurde 1907 Christian Ulrich geboren. Am Denkmal wird er ebenfalls als „vermisst“ geführt. Er ist vermutlich bei Kämpfen um Warschau getötet worden. Amtlich wurde 1962 das Todesdatum mit 28. Februar 1945 festgesetzt. Die Grabesstätte ist unbekannt.[10]

Joachim Hainzl


[1] Vgl. Gottfried Maicher, Mahnmale und Kriegerdenkmäler in der Steiermark. Graz 2012, S. 369 und http://www.denkmalprojekt.org/2015/tillmitsch_bez-leibnitz_steiermark_wk1_wk2_oesterreich.html.

[2] Vgl. https://oekb.net/de/okb/ueber-uns/leopoldskreuz.

[3] https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vll&datum=19160216&query=%22tillmitsch%22&ref=anno-search&seite=36.

[4] Grazer Volksblatt, 8.7.1917 S. 5.

[5] Auf 107 Granitwürfeln mit einer Kantenlänge von 1,50 Metern und einer Höhe von 1,35 Metern sind in alphabetischer Reihenfolge 103 234 Namen eingraviert.

[6] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/6276-TB-21/?pg=192 und https://www.volksbund.de/erinnern-gedenken/graebersuche-online/detail/a3TJy0000007wovMAA.

[7] Vgl. Grazer Volksblatt, 28.3.1937, S. 23 und Steirerland, 15.12.1940, S. 13.

[8] Vgl. https://www.volksbund.de/erinnern-gedenken/graebersuche-online/detail/a3TJy0000002m7IMAQ.

[9] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/6276-TB-21/?pg=359 und https://www.volksbund.de/erinnern-gedenken/graebersuche-online/detail/a3TJy0000007RFvMAM.

[10] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/14578/?pg=172 und https://www.volksbund.de/erinnern-gedenken/graebersuche-online/detail/a3TJy000000Io8EMAS.

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