Von Leibnitz über Kaindorf an der Sulm, vorbei an Silberberg und Sulmsee geht es nach Heimschuh im Sulmtal mit einer Bevölkerung von rund 2.000 Personen.

Es ist mir bisher hauptsächlich nur vom Durchfahren bekannt gewesen, umso überraschter bin ich von der idyllisch auf einem Hügel gelegenen, bereits im 12. Jahrhundert erwähnten Schutzengelkirche (die aber bis zur Gründung der Pfarre Heimschuh im Jahr 1948 eine Leibnitzer Filialkirche war), neben der sich das Gefallenendenkmal befindet, das 1998 zusammen mit der Neugestaltung des Kirchplatzes renoviert wurde.

Dem Denkmal gegenüber, das 1921 von den damals noch eigenständigen Gemeinden Heimschuh, Nestelbach und Fahrenbach für die Opfer des Ersten Weltkriegs (am Denkmal stehen 39 Namen von Gefallenen und Vermissten[1]) umgesetzt wurde[2], befinden sich der Kindergarten und die Volksschule der Gemeinde Heimschuh.

Vor dem rund vier Meter hohen Obelisken steht in Lebensgröße, ähnlich vielen anderen Orten in der Gegend, ein lebensgroße Figur eines behelmten k.u.k.-Soldaten, der mit beiden Händen sein Gewehr hält. Unter der Figur auf einer Platte die Inschrift „Den Helden unserer Heimat der beiden Weltkriege“. 1950 wurde das  Denkmal im Hintergrund um die Tafeln für die 62 namentlich inklusive Dienstgrad angeführten Opfer des Zweiten Weltkriegs erweitert.

Sowohl für die Verstorbenen des Ersten als auch des Zweiten Weltkriegs sind –  neben den militärischen Rängen, Geburts- und Sterbejahr –  die Staaten genannt, in welchen sie verstorben sind. Im Ersten Weltkrieg  werden alleine 17 an Kampforten in Russland und 11 in Italien Getötete oder Vermisste angeführt.

Erster Weltkrieg

Zu folgenden Männern finden sich online Hinweise:

  • In seiner Heimatgemeinde Heimschuh an einer Bauchschusswunde verstorben ist am 10. November 1918 der 23-jährige Besitzerssohn Johann Lang, nachdem er bereits Mitte 1915 verwundet worden war.[3]
  • Nicht am Denkmal erwähnt ist der 1885 geborene Oberjäger Franz Held vom Feldjägerbataillon Nr. 2, der am 26.3.1918 gestorben ist.[4]  
  • Weiters nicht am Denkmal scheint Schütze Blasius Schwarz (geb. 1890) auf, der am 28.11.1917 gefallen ist.[5]  

Zweiter Weltkrieg

Mehr als die Hälfte aller Vermissten und Getöteten im Zweiten Weltkrieg (29 Gefallene und 11 Vermisste) waren in der Sowjetunion im Einsatz.

Zum Todesdatum und -ort finden sich vielen in den Geburtsmatriken der Pfarre Leibnitz konkrete Informationen.

  • Nachdem Peter Adam 1922 in Heimschuh geboren wurde, heiratete er im Oktober 1944 im sächsichen Schnarrtanne. 1945 starb er in Deutschland.[6]
  • Mit Johann Bernhard (1917–1942), Franz Bernhard (1920–1941) und dem im Februar 1946 20-jährig in einem serbischen Kriegsgefangenlager verstorbenen Josef Bernhard (geb. 1926) verlor das Ehepaar Albin und Maria Bernhard in Pernitsch gleich drei Söhne.[7]  
  • Die Familie Johann und Maria Theissl vulgo Leitenmichl in Weißheim verlor ihren beiden Sohne Alois Theissl (1913–1945 vermisst) und Anton Theissl (1923–1943)[8]
  • Für den 42-jährigen Gefreiten und NSDAP-Parteigenossen Karl Hartlieb, der im serbischen Doljavec starb[9], wurde 1944 im Völkischen Beobachter von seiner Familie eine Traueranzeige geschalten, demnach er „im Kampfe gegen Banditen in treuester Pflichterfüllung den Heldentod“ gefunden habe und nun „fern seiner Heimat auf einem Heldenfriedhof“ ruhe.
  • Falsch als „vermisst“ steht am Denkmal Johann Zwetti, dessen letzte Ruhestätte sich in Frankreich in der Kriegsgräberstätte in La Cambe, Block 23 Grab 91 befindet.[10]
  • Unter den Genannten am Denkmal der gefallene Franz Dirnböck, nach dem seine besorgte Ehefrau Josefa Dirnböck in Pernitsch im Mai 1946 noch suchte.[11]
  • Um Bestätigung der Befürchtung, dass ihr 21-jähriger Sohn im Raum Nikopol (in der heutigen Ukraine) gefallen sei, baten 1946 die Eltern von Johann Preßnitz.[12]

Noch im Juni 1946[14] suchte seine besorgte Frau Maria Schrotter nach dem seit März 1945 in Dänemark vermissten Josef Schrotter. Er ist jedoch im April/Mai 1945 in Berlin-Staaken ums Leben gekommen sein und liegt auf dem Friedhof Berlin-Spandau.[13]

Hier die Namen am Denkmal, ergänzt um Namen und Informationen aus der Seite Völkerbund und den Geburtsmatriken der Pfarre Leibnitz:

Joachim Hainzl


[1] Vgl. http://www.denkmalprojekt.org/2015/heimschuh_bez-leibnitz_steiermark_wk1_wk2_oesterreich.html

[2] Vgl. ÖKB Steiermark (Hg.), Mahnmale und Kriegerdenkmäler in Steiermark.  Graz 2012, S. 347

[3] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/14881/?pg=226 und. https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vll&datum=19150819&query=%22lang+heimschuh%22~10&ref=anno-search&seite=21.

[4] Vgl. https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vll&datum=19180801&query=%22held+heimschuh%22~10&ref=anno-search&seite=21.

[5] https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vll&datum=19180309&query=%22gefallen+leibnitz%22~10&ref=anno-search&seite=40.

[6] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/6276-TB-21/?pg=214 und http://www.denkmalprojekt.org/2015/heimschuh_bez-leibnitz_steiermark_wk1_wk2_oesterreich.html.  

[7] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/6276-TB-21/?pg=110 ,  https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/14718/?pg=352 und https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/14723/?pg=16.

[8] https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/14718/?pg=87 und https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/6276-TB-21/?pg=304.

[9] Vgl. https://www.volksbund.de/erinnern-gedenken/graebersuche-online/detail/a3TJy0000007FYNMA2.

[10] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/6276-TB-21/?pg=80 und https://www.volksbund.de/erinnern-gedenken/graebersuche-online/detail/a3TJy0000004LlJMAU.

[11] Neue Zeit, 17.5.1946, S. 4.

[12] Neue Zeit, 1.12.1946, S. 4.

[13] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/leibnitz/14578/?pg=180 und https://www.volksbund.de/erinnern-gedenken/graebersuche-online/detail/a3TJy000000A8XBMA0.

[14]  Neue Zeit, 6.9.1946, S. 4

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