In der Marktgemeinde Großklein mit seinen knapp 2.300 Einwohner:innen befindet sich das Gefallenendenkmal mitten im Ort, etwas erhöht auf einem kleinen Platz am Beginn des Kirchwegs.



Gegenüber hat das Gasthaus Wrolli-Edler geöffnet und so erregen wir mit unserem Fotoshooting rasch die Aufmerksamkeit einiger Gäste dort. Nachdem unser Schild auf dem Handyfoto, das die Wirtin aus sicherer Entfernung gemacht hat, nicht lesbar ist, kommt sie rüber zu uns und fragt uns interessiert. „Hoffentlich kommt kein neuer Krieg“, meint sie als Reaktion auf unsere Erzählung.
Wir nutzen die Gelegenheit, um im Gasthaus etwas zu trinken, wo wir unter einer Weinhecke Platz nehmen und wir den intensiven Geruch der Isabellatrauben genießen. „Nehmt´s euch nur welche, wir haben genug davon“, meint die Wirtin. Die drei Männer am Nebentisch haben ihr Handy am Tisch aufgestellt und kommentieren bewegt die Liveübertragung des Fußballspiels von Sturm Graz, um später dann noch in einen Torjubel auszubrechen. Ansonsten fahren nur wenige Autos vorbei, unterwegs zu Fuß ist fast niemand zu sehen.
Das über 5 Meter hohe Denkmal aus Sandstein, errichtet vom ansässigen Steinmetzmeister Roman Preschern, wurde am 1. Juli 1923 für die 81 Opfer des Ersten Weltkriegs aus der Pfarre Klein „unter außergewöhnlicher Beteiligung der Bevölkerung“[1] mit Böllerschüssen, Glockengeläut und Musik eingeweiht.
Der – so wie auch in Heimschuh – von einer steinernen flammenartigen (Kanonen?)Kugel gekrönte Obelisk wird von zwei Soldatenfiguren gleichsam bewacht. Ein Soldat mit Helm hält sein Gewehr in Händen, der andere mit seiner Feldkappe hält sich sein Schwert vor den Körper.



Erster Weltkrieg
Unter den Opfern des Ersten Weltkriegs findet sich Johann Skringer, 10. Landsturmbataillon, 4. Komp., 3. Zug. Nach ihm suchte seine Frau Marie Skringer noch 1916, da von ihm seit Mitte Juni 1915 jede Spur fehlte, obwohl er in der Verlustliste „nur“ als verwundet angegeben wurde.[2]
Auf dem Denkmal finden sich auch mehrere Namen von Männern, die – vom Krieg heimgekehrt – in den ersten Nachkriegsjahren an Krankheiten verstarben. Darunter der am 20. November 1918 im 25. Lebensjahr an einer Lungenentzündung verstorbene Josef Fagitsch vulgo Leitenneubauerhoisl, ein Bergholdsohn aus Nestelbach.[3] Ebenfalls an einer Lungenentzündung verstarb bereits am 22. Oktober 1918 der 26-jährige Franz Hammer.[4] An Tuberkulose verstarben am 23. Oktober 1919 in Eichberg der 23-jährige Keuschlersohn Rudolf Riess , am 18. Dezember 1919 der 51-jährige Bauer Blasius Schilcher vulgo Wölfl in Oberfahrenbach[5] und in Goldes der Heimkehrer Karl Malli, Sohn der Keuschlerfamilie vulgo Etlweber am 29.1.1920.[6] Um einen weiteren Heimkehrer dürfte es sich beim 44-jährigen Berghold Franz Weiß vulgo Kogelweber gehandelt haben, der am 1. September 1921 in Mattelsberg verstarb.[7]
Nicht am Denkmal erwähnt wird der aus Klein stammende Schütze Michael Gerhart, der am 20.7.1917 gefallen ist.[8]
Zweiter Weltkrieg
1958 wurde das Denkmal um die auf den Seiten zusätzlich angebrachten Tafeln mit 85 Namen von Opfern des Zweiten Weltkriegs erweitert,[9] die – unabhängig von ihrem Sterbeort – auch im Sterbebuch der Gemeinde vermerkt sind[10] beziehungsweise sind die Todesdaten bei den Geburtsmatrikeln angegeben.
Was auffällt, sind nicht nur die Namen von elf Verstorbenen 18 bzw. 19-jährigen, sondern auch eine am Denkmal angeführte junge Frau, zu der sich jedoch online keine weiteren Informationen finden ließen. Hilde Jammernegg starb demnach 1945 mit 17 Jahren.[11]
Acht Männer verstarben erst nach dem offiziellen Kriegsende im Mai 1945. So etwa Josef Fabian in Kainbach bei Graz, Anton Schipfer in Wagna und Johann Maier in Klein. Einige (wie Franz Stieglbauer und Alois Pilch) verstarben in Kriegsgefangenlagern.
Im Unterschied zu vielen anderen Orten, wo auf den Denkmälern von „Helden“ und „Vaterland“ gesprochen wird, ist dieses Gefallenendenkmal – wie der Satz über einem Ehrenkranz verkündet – „den Opfern des Weltkriegs“ gewidmet. Im Unterschied dazu betont eine erst 1986 aufgestellte Tafel bei der Aufbahrungshalle mit Erwähnung der beiden Weltkriege neben der Aussage, dass das Sterben der Soldaten „Vermächtnis und Mahnung“ sei auch, dass sie „in Liebe und Treue zur Heimat“ gefallen seien. Zumindest für den Zweiten Weltkrieg, wo sie als Soldaten der Deutschen Wehrmacht für einen diktatorischen Führer bzw. den nationalsozialistischen Staat Länder fernab ihrer Heimat erobern sollten, muss das hinterfragt werden.
Joachim Hainzl
[1] Tagespost, 20.7.1923, S. 13.
[2] Vgl. Arbeiterwille, 26.2.1916, S. 4
[3] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/klein/15499/?pg=27
[4] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/klein/15499/?pg=25
[5] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/klein/15499/?pg=33
[6] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/klein/15499/?pg=34
[7] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/klein/15499/?pg=41
[8] Vgl. https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vll&datum=19170913&query=%22gefallen+leibnitz%22~10&ref=anno-search&seite=18
[9] Vgl. ÖKB Steiermark (Hg.), Mahnmale und Kriegerdenkmäler in Steiermark. Graz 2012, S. 345 und http://www.denkmalprojekt.org/2015/grossklein_bez-leibnitz_steiermark_wk1_wk2_oesterreich.html
[10] Online einsehbar ist nur der Index aus dieser Zeit. Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/klein/15496/?pg=6
[11] Vgl. http://www.denkmalprojekt.org/2015/grossklein_bez-leibnitz_steiermark_wk1_wk2_oesterreich.html


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