Am Ende unseres langes Tages bei spätsommerlichen Temperaturen erreichen wir im Sulmtal die Marktgemeinde Gleinstätten mit rund 2.800 Einwohner:innen.

Seit der Verlegung (im Jahr 1982) vom Dorfplatz liegt die 1918-1921 vom Militär-Krieger-Korps errichtete Gedenkstätte zwischen Schloss und Kirche. Die letzten Sonnenstrahlen fallen gerade noch auf den geflügelten Erzengel Michael, dem Schutzheiligen der Soldaten. Mit seinem Schild und seiner an römische Soldaten erinnernden Bekleidung thront er an der Spitze eines Obelisken und stellt siegreich seinen Fuß als Zeichen des Triumphs über das Böse auf den hier nicht als Drache sondern sehr menschlich dargestellten Satan. Alleine was ihm fehlt ist jene Waffe (Schwert oder Lanze), die er eigentlich in der Hand halten sollte und die noch auf älteren Abbildungen des  Denkmals zu sehen ist.[1]  

Am Fuße des Obelisken reichen sich zwei k.u.k. Soldaten die Hand, während die linke Hand jeweils ein Gewehr hält. Der Sinn des Handschlags ist unklar. Leider fehlt uns jegliches Detailwissen  über Uniformen, daher erkennen wir nur, dass der erstere eine Feldkappe und der zweite einen Helm trägt. Links und rechts befinden sich die Tafeln mit den Namen der Opfer der beiden Weltkriege. 71 Namen sind es für die Jahre 1914-1918 und 74 Namen für die Jahre 1939-1945. 19 Gefallene der beiden Weltkriege waren jünger als 20 Jahre und der älteste Gefallene ist der 51-jährige Gottfried Gödl (1894-1945).[2] Ganz am Rand sind links und rechts noch zwei metallisch glänzende Artilleriegranaten postiert.

Erster Weltkrieg

In den Zeitungen finden sich zu Berichte zu einigen der Namen auf den Namenstafeln am Denkmal. Aus dem ersten Weltkrieg finden sich Meldungen über „Heldentode“ zu Fritz Scherrer, Josef Petteg und Franz Zirngast.

  • „Die in weiten Kreisen bekannte Uhrmachermeisterswitwe Frau Marie Scherrer traf ein harter Schlag. Ihr jüngster Sohn Fritz hat den Heldentod gefunden. Am 8. August d. J. wurde er verwundet und wurde zugleich mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse ausgezeichnet. Am 13. August wurde er vom Feldspital ins Hinterland abge­schoben und seither fehlen von ihm jede Nachrichten. Am 5. d. M. kamen ans Gemeindeamt seine Habseligkeiten zurück; man fand eine Karte, an seine Mutter gerichtet, die er nicht mehr zur Post befördern konnte. Nicht nur die schwergeprüfte Mutter trauert um ihren Sohn, auch der Kirchenchor um ein eifri­ges und langjähriges Mitglied. Die heil. Seelenmessen für den jüngsten Helden werden am 12. d. M. in der Pfarrkirche gelesen.“[3]
  • „Heldentod. Herr Josef Petteg, der einzige Sohn des im Sulmtale vielbekannten und geachteten Zimmermeisters Herrn Michael Petteg in Graschach bei Gleinstätten, hat auf dem südwestlichen Kriegs­schauplatze durch eine Granate den Heldentod gefunden. Herr Josef Petteg, der ein eifriges Mitglied der Frei­willigen Feuerwehr Graschach war, stand erst im Alter von 19 Jahren.“[4]
  • „Gleinstätten (Fürs Vaterland gestorben.) Franz Zirngast, Infanterist, Großgrundbesitzers- und Gast­wirtssohn aus Hart bei Gleinstätten, ist einer auf dem nördlichen Kriegsschauplatz zugezogenen Krankheit im Reservespitale in Cilli erlegen. Am 7. September wurde er unter militärischen Ehren zu Grabe geleitet. Der Verlust des im 41. Lebensjahre ver­storbenen Sohnes trifft die Eltern umso schwerer, da der jüngere Sohn als Schwarmkommandant an der Spitze seines Zuges‘ in Jaroslau, Galizien, am 24. Dezember 1914 den Helden­tod fand.“[5]  Der Name des Bruders von Franz Zirngast findet sich jedoch nicht auf dem Denkmal.
  • Eine etwas unverständliche Meldung findet sich zu Anton Hofer (Höfer), verstorben am 26.5.1916, dessen Namen auch am Denkmal zu finden ist: „Wurde vom italienischen Roten Kreuz tot gemeldet. Nicht legal nachgewiesen.“[6]
  • Der 1918 verstorbene Alois Neger in Dirnach galt im Frühjahr 1919 noch als vermisst.[7]
  • Nicht am Denkmal findet sich der 1884 geborene und am 14. November 1917 gefallene Johann Ranegger (Infanterieregiment Nr. 47).[8]
  • Unter den Gefallenen finden sich drei Männer mit Familiennamen Schelch, jedoch nicht  der 1882 geborene und am 24. Oktober 1914 verstorbene Johann Schelch.[9]
  • Ebenfalls nicht am Denkmal zu finden ist Julius Stadler, der als Gastwirt in Graschach bei Gleinstätten tätig war: [10]

Vier Männer, deren Namen am Denkmal verzeichnet sind, verstarben jedoch teilweise erst Jahre nach dem Kriegsende. An einer Lungentuberkulose verstarben im Februar 1919 der in Villach geborene Gastwirtssohn Viktor Unterweger und Mitte Dezember 1920 der 21-jährige Anton Binder in Ottersbach-Greith.[11] An einer Lungenentzündung bzw. einem Lungenödem starb in Gleinstätten im Jänner 1922 der aus Michlgleinz stammende Besitzerssohn Karl Oswald vulgo Schneiderpeter.[12] Keine Informationen finden sich zum 1921 verstorbenen Viktor Strallegger.

Zweiter Weltkrieg

Vermisste, nach welchen nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise jahrelang gesucht wurde, finden sich schließlich ebenfalls als Namen von Opfern auf dem Denkmal wieder. So geben 1946[13] die Frau von Rudolf Kaus und 1948[14] seine Eltern Suchanzeigen für ihn auf.

Gesucht wurden u.a. auch die beiden Vermissten und schließlich für tot Erklärten, Thomas Koschak aus Prarath[15] und Josef Lambauer aus Gleinstätten.[16]

Nach Kriegsende verstarben: im Juni 1945 Gottfried Gödl im serbischen Vrsac und Alexander Hörmann am 1. Oktober 1945 im Spital im französischen Cleromont-Ferrand.

Die meisten Soldaten aus Gleinstätten fielen im Osten (20 in Russland, 8 in Polen, 5 in der Ukraine, 3 in Weißrussland und einer in Ungarn). Im Südosten fielen 2 in Rumänien und je einer in Kroatien und Serbien. 4 verstarben in Deutschland (davon einer auf See) und 3 in Frankreich. Johann Resch verstarb im Grazer Reservelazarett, Gottfried Prattes im März 1945 im niederösterreichischen Reichenau. Unklar bleibt, wie der aus Distelhof stammende Franz Oswald im Dezember 1939 zwei Tage vor seinem 42. Geburtstag im steirischen Langegg verstarb.      

Joachim Hainzl


[1] Vgl. ÖKB Steiermark (Hg.), Mahnmale und Kriegerdenkmäler in Steiermark.  Graz 2012, S. 343.

[2] Vgl. http://www.denkmalprojekt.org/2016/gleinstaetten_bez-leibnitz_steiermark_wk1_wk2_oesterr.html.

[3] Grazer Volksblatt, 9.10.1915, S. 6.

[4] Tagespost, 12.7.1916, S. 6.

[5] Grazer Volksblatt, 14.9.1915, S. 6.

[6] https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vll&datum=19161019&query=%22gleinst%c3%a4tten%22&ref=anno-search&seite=20.

[7] Tagespost, 9.4.1919, S. 10.

[8] Vgl. https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vll&datum=19180419&query=%22gleinst%c3%a4tten%22&ref=anno-search&seite=52.

[9] https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=gmz&datum=19160610&query=%22gleinst%c3%a4tten+schelch%22~10&ref=anno-search&seite=2.

[10] Grazer Volksblatt, 17.7.1915, S.11.

[11] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/gleinstaetten/6094-StB-07/?pg=33 und https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/gleinstaetten/6094-StB-07/?pg=46.

[12] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/gleinstaetten/6094-StB-07/?pg=51.

[13] Neue Zeit, 26.3.1946. S. 7.

[14] Neue Zeit, 14.2.1948. S. 4.

[15] Neue Zeit, 21.4.1946, S. 7.

[16] Österreichische Zeitung, 19.6.1948, S. 7.

Hinterlasse einen Kommentar