GRAZ – GRAZ-RIES (Gefallenendenkmal) – EGGERSDORF (Gefallenendenkmal) – GLEISDORF (Gefallenendenkmal)  –  HEILIGENKREUZ AM WAASEN (Gefallenendenkmal) –  ST. ULRICH AM WAASEN (Gefallenendenkmal) – WILDON (Gefallenendenkmal) – WERNDORF (Gefallenendenkmal) – GRAZ

Unsere erste Station auf dieser dritten Tour befindet sich am Grazer Stadtrand, und zwar im heutigen Bezirk Ries, wo 1921 an der Riesstraße (vor der Abzweigung des Fuchsriegelwegs) das heute denkmalgeschützte Kriegerdenkmal in der Gemeinde Kainbach (zu der damals auch die 1938 eingemeindeten Teile von Stifting, Ries und Ragnitz zählten) fertiggestellt wurde.

Am Sockel des steinernen Denkmals in Form eines rund 3 Meter hohen Obelisken waren zu dieser Zeit folgende Zeilen zu lesen: „Wer die Helden dankbar ehrt, Ist auch ihrer Siege wert, Wer ihre Opfer fruchtlos nennt, Treulos sind, zum Feind bekennt!“ [1] Zur Gestaltung zählten neben Tafeln mit damals 87 (heute: 93)[2] Namen von Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkriegs (angeordnet nach ihrem Todesjahr) auch drei vom hochdekorierten Feldmarschallleutnant Josef Schön gespendete italienische Geschosse, „darunter eines mit 39 Zentimeter Kaliber, mit dem seine Stellung bei der 3. und 4. Isonzoschlacht beschossen wurde“[3].

Schon bei der Enthüllung Ende Juli 1921, zu der beim „Ladenwirt“ und beim „Dritten Fuchswirt“  große Triumphpforten errichtet worden waren, trat ein ehemaliger Soldat des Ersten Weltkriegs „in markigen Worten für den Anschluss an Deutschland ein.“[4]Das Denkmal diente fortan ebenfalls als ein politischer Versammlungsort, etwa zur Abhaltung einer Kombination von Sonnwendfeiern und Heldengedenkfeiern deutschnationaler Vereine und später des Steirischen Heimatschutzes.[5] Während der Zeit des austrofaschistischen Ständestaates wurde 1935 von der Vaterländischen Front in Kainbach beim Kriegerdenkmal ein Dollfuß-Gedenkstein aufgestellt, in Erinnerung an den 1934 ermordeten, diktatorisch regierenden  österreichischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. So wolle man „künftigen Geschlechtern von der Treue und Ver­ehrung für den Heldenkanzler Zeugnis ablegen, die die gegenwärtige Generation ihm entgegen­bringt. […]  Der Kanzler ist tot, aber es lebt sein Werk, das freie, unabhängige, christliche, deutsche Österreich!“[6]

Das Kreuz vor Errichtung des Denkmals

Das Gefallenendenkmal im Jahre 1923.

Nach der NS-Machtübernahme 1938 wurden beim Kriegerdenkmal weiterhin Sonnwendfeiern abgehalten. Anlässlich des Jahrestages des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde im März 1939 eine Heim-ins-Reich- und Heldengedenkfeier abgehalten. Dabei „loderten mächtige Flammen von der Heidingerhöhe auf der Ries ins Grazer Becken.“[7]

Das hölzerne Kreuz mit Christusfigur, das hinter dem Obelisken steht, stammt angeblich aus dem Jahre 1880 und soll von einem unbekannten ungarischen Adeligen aufgestellt worden sein, nachdem ein Unfall mit dem Pferdewagen für ihn glimpflich ausgegangen war.[8] Apropos Unfälle: In den Medien kam die „Kriegerdenkmalkurve“ immer wieder im Kontext von schweren Verkehrsunfällen vor beziehungsweise als jene Stelle, wo sich bei den Riesrennen schon in den 1920er-Jahren die meisten Zuschauer:innen versammelt hatten.  

Mit der Erneuerung des Denkmals 1950 wurden Tafeln mit 125 Namen von Gefallenen und Vermissten der Gemeinde Kainbach und die Inschrift ergänzt auf: „Unsere Helden 1914-1918, 1939-1945“.

Anscheinend kam es am 22. November 2002 zu einer „Schändung“ des Denkmals  (möglicherweise damals ist die heute fehlende dritte Granatenhülse verschwunden).[9]

„Nie wieder Krieg“

„In Zeiten von Aufrüstung und Kriegsbegeisterung vieler Medien muss man immer wieder öffentlich machen, dass die große Mehrheit der Menschen nicht in einen Krieg hineingezogen werden will“, betont Christian Stenner, Bezirksvorsteher-Stellvertreter in Ries. Denkmäler, die an die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnern, können auch als Mahnmale gegen den Krieg verstanden werden, wenn man sie in einen neuen Zusammenhang stellt. Als der Kameradschaftsbund beim Bezirksrat um eine Unterstützung für die Renovierung des Gefallenendenkmals auf der Ries, das landläufig noch immer als ‚Kriegerdenkmal‘ bezeichnet wird, ansuchte, schlug Stenner daher vor, diese Subvention mit der Anbringung einer Tafel mit der Aufschrift ‚Nie wieder Krieg‘ zu verbinden. Der Antrag wurde mit den Stimmen aller Fraktionen angenommen.“[10] Die Tafel wurde seitlich am Denkmal angebracht.  

Joachim Hainzl


[1] Grazer Volksblatt, 23.7.1933, S. 6.

[2] Vgl. http://www.denkmalprojekt.org/2015/graz-ragnitz-wk1-wk2.html.

[3] Tagespost, 7.7.1921, S. 5. Nach dem Diebstahl einer Granate in den 1980ern sind heute noch zwei davon erhalten. Vgl. Gemeinde Kainbach (Hg.), Gemeinde Kainbach, Vergangenheit und Gegenwart. Redaktion: Gernot Fournier und Viktor Hochfellner. Kainbach 1997, S. 171.

[4] Tagespost, 2.8.1921, S. 6.

[5] Vgl. Grazer Volksblatt, 29.6.1930, S. 14 und 22.6.1932, S. 7.

[6] Grazer Volksblatt, 3.6.1935, S. 3.

[7] Grazer Volksblatt, 17.3.1939, S. 7. Vgl. Grazer Volksblatt, 26.6.1938, S. 24.

[8] Vgl.  Gemeinde Kainbach (Hg.), Gemeinde Kainbach, Vergangenheit und Gegenwart. Redaktion: Gernot Fournier und Viktor Hochfellner. Eigenverlag, Kainbach 1997, S. 171.

[9] Vgl. ÖKB Steiermark (Hg.), Mahnmale und Kriegerdenkmäler in Steiermark.  Graz 2012, S. 206.

[10] Grazer Stadtblatt, Oktober 2025, S. 15.

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