Von der Ries geht es an diesem Herbsttag weiter in das nicht weit entfernte Eggersdorf bei Graz.

Ein erstes Kriegerdenkmal wurde hier im Juni 1924 an der nördlichen Außenwand der Kirche in Form eines Reliefs enthüllt, das einen Frontsoldaten mit Stahlhelm darstellte. Am Boden davor befand sich eine Steingruppe mit drei Granaten.[1] Die Verwobenheit von Religion und (nationalistischer) Politik zeigte sich etwa im Jahr 1928, als bei einer Heimwehrversammlung „vor dem Kriegerdenkmal Pfarrer Schmidt eine ergreifende Ansprache [hielt], in welcher er den Begriff Heimat und die Pflicht zur Verteidigung der Heimat erörterte und alle Mitglieder der Pfarre aufforderte, der Heimwehr beizutreten.“[2]

1951 gab es eine „Kriegerdenkmalenthüllung bei der Pfarrkirche“. Für 1955 erwähnt die Chronik des ÖKB Ortsverbandes die„Erweiterung des Kriegerdenkmales“ und 1961 die„Einweihung des erneuerten Kriegerdenkmales“. [3] 

Im Rahmen der Feiern zum 105-jährigen Bestehen des als Veteranenverein gegründeten heutigen ÖKB Eggersdorf wird 2006 das aktuelle Denkmal eingeweiht, das als  „Mahnmal“ bezeichnet wird (auch wenn im offiziellen Sprachgebrauch weiterhin ebenso die Bezeichnung „Kriegerdenkmal“ Verwendung findet[4] ).

Das Mahnmal  

Das rund 4 mal 4 Meter große und rund 2,4 Meter hohe Mahnmal aus dreieckigen Granitplatten, gehalten von einem gezackten Metallrahmen mit Kruzifix[5], steht neben der Kirche auf dem Kirchplatz, im Schatten eines Baumes.

Auf einer eigenen Inschrift „Mahnmal ‚NEU‘“ wird die Symbolik der Gestaltung und des dabei eingesetzten Materials ausführlich beschrieben: „Gedanken zur formalen Umsetzung und Materialwahl: Der Erdhügel als Basis, die Erde als Anfang und Ende allen Lebens. Das Grab geöffnet durch zwei steinerne Platten, Granit ist dauerhaft, so wie die Namen derer, die er trägt dauerhaft in Erinnerung bleiben sollen. Die Platten bilden aber gleichzeitig ein Tor, das zum Kreuz als Zeichen des Leidens, aber auch der Auferstehung führt. Unser Gedenken, das Leid der Toten, aber auch unsere Hoffnung fokussiert auf das Kreuz. Die steinernen Platten eingefasst in eiserne Elemente, auf den schmalen Seiten „eherne Klingen“ unregelmäßig angeordnet, die auf das Verletzende, die Wunden des Krieges verweisen, das Chaos, das er schafft und oft auch hinterlässt.“

Auf dem Mahnmal finden sich die 153 Namen von Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg sowie 162 Namen von Gefallenen und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg sowie die Namen von 10 „Kriegsopfern“[6] (alle jeweils ohne zusätzliche Daten), geordnet nach den zur Pfarre Eggersdorf gehörenden Ortschaften Haselbach, Hof, Purgstall, Prabach, Edelsbach, Brodingberg, Brodersdorf, Eggersdorf, Hönigtal und Hart. Ebenfalls am Mahnmal befinden sich zwei Namen von „verunglückten Kameraden des Österreichischen Bundeheeres“ sowie eine erst nachträglich nach 2017 angebrachte Plakette für „12 unbekannte gefallene Soldaten“ des Zweiten Weltkriegs.[7]

Hinsichtlich der am Denkmal angeführten „Kriegsopfer“ finden sich zu einigen online keinerlei Informationen. Es sind dies: Josef Ederer (Brodingberg), Josef Fleischhacker (Hart), Martin Höller (Hart) und August Niess aus Prabach.

Für einige finden sich in einem Sterbeindex der Pfarre Eggersdorf[8] zumindest die Angaben zum Todesjahr: Heinrich Friedrich  (Haselbach, gest. 1939), Florian Macher (Brodingberg, gest. 1943), Helene Steirer (Hof, gest. 1945), Alois Sulzer (Eggersdorf, gest. 1942) und Fr. Wilfling (Eggersdorf, gest. 1948).

Gretl Neuherz und Josef Pammer wurden am 8. Mai 1945 bei sowjetischen Bombenangriffen getötet:

  • „Um 11.00 Uhr greifen vier bis fünf russische Flugzeuge im Tiefflug die Ortschaft Lembach in der Gemeinde Eggersdorf mit 50 ganz leichten Bomben im Gewicht von ca. 2 kg an und beschädigen damit ein Gebäude schwer und zwei leicht. Außerdem entsteht ein Kellerbrand und ein geringer Waldschaden. Ein Mann (Karl Pammer) wird getötet, zwei Männer und eine Frau werden leicht verletzt.“ [9]
  • „Um 18.30 Uhr werfen vier bis fünf russische Flugzeuge im Tiefflug drei Bomben auf Eggersdorf bei Graz; ein Wohnhaus brennt dabei ab und eine Frau (Grete Neuherz) wird getötet.“[10]

Joachim Hainzl


[1] Vgl. Grazer Volksblatt, 19.6.1924, S. 8.

[2] Grazer Tagblatt, 21.11.1928, S. 18.

[3] Vgl. https://www.oekbst.at/verbaende/bv-graz-nord/ov-eggersdorf/chronik .

[4] Vgl. Dein Magazin. Aktuelles aus Eggersdorf.  Ausgabe 31, 9.2023, S. 61.

[5] Vgl. ÖKB Steiermark (Hg.), Mahnmale und Kriegerdenkmäler in Steiermark. Graz 2012, S. 221.

[6] Vgl. http://www.denkmalprojekt.org/2016/eggersdorf-be-graz_bezirk-graz-umgebung_steiermark_oe.html.

[7] Vgl. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kriegerdenkmal_Eggersdorf_bei_Graz.JPG.

[8] Vgl. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/graz-seckau/eggersdorf/15292/?pg=1.

[9] Vgl. Walter Brunner, Der Luftkrieg in der Steiermark 1941-1945, S. 148. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs, Folge 38 (= https://www.landesarchiv.steiermark.at/cms/dokumente/11683563_77969250/0e650942/69%20bis%20158%20aus%20Mitteilungen%2038-Der%20Luftkrieg%20in%20der%20Steiermark%201941%20-%201945.pdf)

[10] Vgl. ebenda, S. 149.

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