Unseren Helden

Heuer vor 80 Jahren ging im Mai 2025 der Zweite Weltkrieg und damit auch die Zeit der NS-Herrschaft in Österreich zu Ende, die Millionen an Opfern gefordert hatte.

Aus diesem Anlass machen wir –  Maryam Mohammadi und Joachim Hainzl – uns auf zu einer künstlerischen Forschungsreise nach der Befindlichkeit unseres Bundeslandes. Wir suchen in Grazer Randbezirken und in steirischen Orten Denkmäler auf, die verschiedene Bezeichnungen tragen, wie etwa „Kriegerdenkmäler“, „Heldendenkmäler“, oder „Mahnmale“. Zumeist wurden sie nach dem Ersten Weltkrieg errichtet in Gedenken an die einstigen Bewohner dieser Gemeinden, welche als Soldaten Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg getötet wurden oder als vermisst gelten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in dem wiederum viele Steirer –  diesmal als Soldaten der Deutschen Wehrmacht –  getötet wurden oder als vermisst erklärt wurden, wurden viele der Denkmäler einfach nur um die Namen der neuen Toten ergänzt. In einer Minderheit der Mahnmale wurden ganz neue Denkmäler für die Oper der beiden Weltkriege geschaffen.

Wovon erzählen sie?

Was erzählen uns diese Denkmäler heute, haben sie überhaupt noch eine Relevanz, sind sie überhaupt noch sichtbar?Wer in den Orten kennt noch die Namen der Toten, die dort geschrieben stehen? Und vor allem: Welches „Heldentum“ soll uns Nachgeborenen als Mahnung gelten? Um welche „Ehre“ ging es dabei, für welches „Vaterland“ wurde hier opferbereit gestorben? Was lösen diese Orte bei uns aus, vor allem bei Maryam, die selbst als Kind im Iran acht Jahre Krieg und Bombardements am eigenen Leib erlebt hat?

1945 – 2025

Nach den Kriegen in Ex-Jugoslawien in den 1990er-Jahren ging spätestens mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine das Gefühl einer friedvollen „Nachkriegszeit“ auch in Westeuropa verloren, wovon auch die Unmengen an Geld, die in Waffenproduktionen und -lieferungen investiert werden, zeugen.

Zivile und uniformierte Opfer des Ukrainekrieges sind seit mehreren Jahren wieder täglicher Teil unserer Medienberichterstattung. Die mittels Waffengewalt gegen den Aggressor verteidigte Heimat gebärt neues Heldentum, während Appelle der Friedensbewegung beinahe ungehört verklingen.

2025 ist aber auch das Jahr, in dem ein Großteils des Gazastreifens zerstört ist und Zigtausende zu Tode gekommen sind sowie das Jahr, in dem die Zivilbevölkerungen in Israel und Iran vor Raketen- und Bombenangriffen des jeweils anderen Staates Schutz suchen mussten.

In dieser unruhigen und verunsichernden Zeit möchten wir unsere Besuche vor Ort dazu nutzen, um mit Vertreter:innen der örtlichen Zivilgesellschaft (seien es Bürgermeister:innen und Gemeinderät:innen bzw. Bezirksrät:innen, ÖKB-Vertreter*innen, Künstler*innen, Lehrer*innen etc.) das Gespräch zu suchen: was haben diese Denkmäler heute mit uns und unseren Werten und Idealen zu tun? Wofür lohnt es sich heute zu kämpfen und wer sind unsere Feinde?

Zur Dokumentation unseres Projekts  –  80 Jahre nach dem Wiedererstehen der Demokratie in Österreich –  dient dieser Blog.  

Joachim Hainzl und Maryam Mohammadi